Die Verwendung von Amazon-Warenlagern im EU-Ausland kann ab dem kommenden Jahr zu erheblichen finanziellen Risiken führen.

Warum?

Hinweis vorab: Wenn ihr wissen wollt, warum ihr den drei As (Amazon, Avalara und Avask) eure Umsatzsteuer-Erklärungen besser nicht überlassen solltet – oder, warum klassische to-DATEV-Konverter für die Finanzbuchhaltung im Online-Handel nicht hinreichend sind, bucht über diesen Link ein persönliches Gespräch bei unseren Umsatzsteuer- und FiBu-Experten zu einem Termin eurer Wahl.

Ab dem kommenden Jahr greifen die sogenannten Quick Fixes.

Was wie eine kleine Reparatur an unserem Umsatzsteuerrecht klingt, hat erhebliche Auswirkungen auf den Online-Handel.

Insbesondere die innergemeinschaftlichen Verbringungen in ausländische Warenlager von Amazon könnten im worst case steuerpflichtig werden.

Im Folgenden erklären wir den Status Quo und die Auswirkungen der Gesetzesänderung.

Status Quo: Umsatzsteuer & ausländische Amazon-Lager

Amazon bietet Marktplatzhändlern seit geraumer Zeit finanzielle Anreize zur Verwendung seiner ausländischer Warenlager.

Im Rahmen von Amazon CEE werden die Waren des Händlers dann zum Großteil nach Polen und Tschechien ausgelagert, da die Abwicklung der Logistik über diese mitteleuropäischen Staaten für Amazon preiswerter ist als die Abwicklung über Fulfillment-Center in Deutschland.

Händlern, die an diesem Programm teilnehmen, wird in diesen Fällen eine Strafgebühr von 50 Cent pro Lieferung erlassen.

Ein Amazon-Händler mit 15.000 Paketen pro Monat, der am CEE-Programm teilnimmt, spart pro Monat somit 7.500 Euro an Amazon-Gebühren – im Gegensatz zur ausschließlichen Verwendung deutscher Fulfillmentcenter.
Umsatzsteuerliche Systematik der Warenverbringungen in ausländische Amazon-Lager

Damit die Finanzbehörden immer einen Überblick behalten, wo – also in welchem EU-Staat – sich die Waren des Online-Händlers aktuell befinden und wo aufgrund von Verkäufen zukünftig Umsatzsteuer anfallen wird, fingiert das Umsatzsteuerrecht Folgendes.

Verbringt ein Unternehmer – selbst oder durch Amazon – Waren ins EU-Ausland, um diese von dort aus zu verkaufen, tätigt er für umsatzsteuerliche Zwecke eine innergemeinschaftliche Lieferung an sich selbst, wie es die Grafik oben darstellt. Diese Lieferung ist im Ursprungsland grds. steuerfrei.
Im Bestimmungsland – also z.B. Polen oder Tschechien – führt der "Eingang" der Ware zu einem sogenannten innergemeinschaftlichen Erwerb. Dieser Erwerb ist zwar steuerpflichtig. Es besteht aber grds. gleichtzeitg das Recht auf Vorsteuerabzug in derselben Höhe.

Durch diese Systematik wird regelmäßig keine Umsatzsteuer an die Finanzämter im Ursprungs- und Bestimmungsland für die Verbringungen abgeführt. Aber alle beteiligten Staaten wissen nun, dass Ware zwischen ihnen verbracht wurde.

Im Rahmen des Pan EU Programms von Amazon kommen dann noch Warenlager in vier weiteren EU-Staaten hinzu: Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien.

Ab dem kommenden Jahr – 01.01.2020 – kann unter bestimmten Umständen Umsatzsteuer für die grenzüberschreitenden Verbringungen anfallen.

Wie ist das möglich?

Quick Fixes: Schnelle Reparaturen mit großen Risiken

Ab dem kommenden Jahr werden innergemeinschaftliche Warenverbringungen nur noch steuerfrei sein, wenn die folgenden Voraussetzungen greifen.

  • Die Verbringungen wurden im Rahmen der sogenannten Zusammenfassenden Meldung (ZM) erklärt.
  • Im Zeitpunkt der Verbringung verfügte der Händler über eine gültige UStID-Nr. im Bestimmungsland.
Ab dem kommenden Jahr sind Verbringungen nur noch steuerfrei, wenn im Zeitpunkt der Verbringung eine gültige UStID-Nr. vorlag

Fehlende Zusammenfassende Meldungen lassen sich nachholen, aber ...

Im aktuellen Gesetzesentwurf steht, dass sich eine der beiden oben genannten Voraussetzungen im Zweifel nachholen lässt.

Demnach wirken korrigierte oder erstmalig abgegebene ZM immer auf den Zeitpunkt der Verbringung zurück. Dieses Problem lässt sich also rückwirkend lösen.

Anders sieht es mit der zweiten Voraussetzung aus: der Verwendung der UStID-Nr.

Selbst, wenn eine rückwirkende Registrierung im EU-Ausland möglich sein sollte, so muss die UStID-Nr. bereits im Zeitpunkt der Verbringung verwendet worden sein. Das ist rückwirkend unseres Erachtens nicht möglich.

Quick Fixes und die Risiken von Amazons Umsatzsteuerservices: Wer wird haften?

Seit Jahren berichten uns Neukunden, welche vorher die Umsatzsteuerservices von Amazon verwendet haben, dass die Registrierungen über Amazon in vielen Fällen Monate oder Jahre dauern, so diese denn überhaupt abgeschlossen werden.

Konsequenzen fehlender Registrierungen im EU-Ausland ab 2021?

Amazon-Händler, welche am Pan EU  oder CEE Programm teilnehmen, aber über keine steuerliche Registrierung in den jeweiligen Staaten verfügen, müssten die grenzüberschreitenden Warenverbringungen ab 2020 versteuern.

Das folgende Beispiel quantifiziert dieses Risiko.

Ein Amazon-Händler mit 5 Millionen Euro Jahresumsatz, der am Pan EU Programm teilnimmt und über keine steuerlichen Registrierungen in den anderen sechs EU Staaten (GB, FR, ES, IT, PL und CZ) verfügt, wird ab 2020 pro Jahr – abhängig von der Frequenz der Umlagerungen durch Amazon – 500.000 bis 750.000 Euro Umsatzsteuer auf seine innergemeinschaftlichen Verbringungen zahlen müssen.

Bei fehlender Registrierung im Bestimmungsland muss also Umsatzsteuer für Umsätze abgeführt werden, die eigentlich nur für umsatzsteuerliche Zwecke fingiert werden.

Letztendlich wird der Händler dafür unmittelbar haften, da er der Steuerschuldner ist.

Bisherige Regelung und Gründe für die Reform

Im grenzüberschreitenden Warenhandel werden mit sogenannten Karussellgeschäften jährlich bis zu 60 Milliarden Umsatzsteuer hinterzogen.

Daher sind und waren grenzüberschreitende Warenverbringungen z.B. nach deutschem Recht schon immer nur dann steuerfrei, wenn eine UStID-Nr. im Bestimmungsland vorliegt.

Allerdings hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) zuletzt laufend entschieden (zuletzt mit Urteil vom 10.10.2016, C-24/15, Josef Plöckl), dass eine UStID-Nr. keine zwingende Voraussetzung (=Tatbestandsmerkmal) für die Steuerfreiheit darstellt.

An diese Entscheidung ist auch Deutschland gebunden.

Da die Mitgliedstaaten der EU keinen Einfluss auf den EuGH ausüben können/dürfen, kam man letztendlich überein,  die Rechtsgrundlagen zu ändern.

So kam es letztendlich zur Reform zum 01.01.2020.

Aktuelle Diskussionen zu den Quick Fixes

Auf der Fachtagung Umsatzsteuer 2019, welche am 10.09.2019 in Köln stattfand, wurden die Auswirkungen der Quick Fixes 2020 zwischen Vertretern der EU-Kommission, den deutschen Spitzenverbänden und Vertretern der Wirtschaft diskutiert.

Die Frage, ob die Umsatzsteuer, welche durch die fehlende UStID-Nr. des Empfängers entsteht, in irgendeiner Form als Vorsteuer abziehbar sei, wurde einheitlich verneint.

Taxdoo Co-Founder Roger nahm sowohl als Referent als auch Zuhörer an der diesjährigen Fachtagung Umsatzsteuer 2019 teil.

Auch wurde diskutiert, ob die rückwirkende Registrierung im Bestimmungsland ggf. zu einer Steuerfreiheit führen könnte.

Auch in diesem Fall waren sich die Diskutanten einig. Der aktuelle Gesetzesentwurf spricht von einer gültigen UStID-Nr. im Zeitpunkt der Verbringung/Lieferung.

Selbst eine rückwirkende Registrierung – die in den meisten EU-Staaten an hohe Auflagen gebunden ist – dürfte somit nicht zur Steuerfreiheit führen.

Mit Taxdoo sicher durch alle Gesetzesreformen

Über zahlreiche Schnittstellen zu Marktplätzen, ERP- und Shopsystemen kann Taxdoo Daten automatisiert auslesen, auswerten, im EU-Ausland melden und in die Finanzbuchhaltung überführen.

Auch die steuerliche Registrierung und den Erhalt einer UStID-Nr. in zahlreichen EU-Staaten bietet Taxdoo aus einer Hand an.

Über unsere DATEV-Schnittstelle gelangen eure Verbringungen automatisiert in die ZM und werden so sicher gemeldet.

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