Eigentlich sollte zum 1. Januar 2021 vieles im Bereich grenzüberschreitender Onlinehandel & Umsatzsteuer einfacher werden.

Das wird nun frühestens ein halbes Jahr später – zum 1. Juli 2021 – der Fall sein – und auch nur sehr eingeschränkt.

Um was geht es?

Umsetzung des VAT E-Commerce Package

Das sogenannte VAT E-Commerce Package soll das EU-weite Umsatzsteuerrecht an die Bedürfnisse der digitalen Ökonomie anpassen.

Hintergrund: Man muss sich vor Augen führen, dass die wesentlichen Bestandteile des Umsatzsteuerrechts noch immer auf dem Stand von 1993 sind. Den E-Commerce in der heutigen Form gab es damals noch nicht ansatzweise. So verwundert es nicht, dass eine der grundlegende Normen – die auch reformiert werden sollen –  den Namen Versandhandelsregelung trägt.

Was das VAT E-Commerce Package für Onlinehändler und ihre Steuerberater bedeutet, haben wir in einem Gastbeitrag für unseren Partner die DATEV zu Beginn des Jahres erläutert.

Die wichtigsten Auswirkungen sind hier kurz zusammengefasst.

  • Wegfall nationaler Lieferschwellen und die Einführung einer globaler EU-Lieferschwelle in Höhe von 10.000 Euro, sodass praktisch alle grenzüberschreitenden B2C-Lieferungen immer im Bestimmungsland zu versteuern sind.
  • Um eine damit verbundene Registrierungspflicht in faktisch (fast) allen EU-Staaten zu vermeiden, soll ein One-Stop-Shop (OSS) eingeführt werden, über den sämtliche Umsatzsteuer-Erklärungen im Sitzstaat abgewickelt werden können.

Das Bundesfinanzministerium hatte sich bereits an die Arbeit gemacht, diese Änderungen zum 01.01.2021 umzusetzen – im sogenannten Jahressteuergesetz 2020 – siehe hier ab Seite 20.

Hier muss nun zumindest für viele Änderungen im Bereich Umsatzsteuer das Datum vom 1. Januar auf den 1. Juli 2021 angepasst werden.

Es kann allerdings auch möglich sein, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine nochmalige Verschiebung stattfinden wird.

Warum?

Offiziell: Verschiebung auf den 1. Juli 2021, aber ...

Das Problem bei der Umsetzung des E-Commerce Package ist die Technologie. Der OSS existiert zwar schon seit 2015  in abgespeckter Version, dem sogenannten Mini One-Stop-Shop für digitale Dienstleistungen.

Allerdings funktioniert auch der MOSS noch nicht reibungslos und erfasst derzeit nur einen Bruchteil des Umsatzsteueraufkommens, welches der OSS zukünftig abwickeln soll.

Zwei Aspekte bremsen das Vorhaben darüber hinaus schon seit Jahren aus.

  • Die technische Umsetzung durch die 27 nationalen Finanzbehörden ist ein Mammut-Projekt für alle Staaten.
  • Durch den OSS erfolgt ein Clearing durch den Sitzstaat. Das bedeutet, Staat A muss darauf vertrauen können, dass Staat B ihm die zustehende Umsatzsteuer auch ordnungsgemäß erhebt und abführt.

Führt man sich vor Augen, wie Mammut-Projekte auf öffentlich-rechtlicher Seite gemanagt werden und wie es um das Vertrauensverhältnis der EU-Staaten untereinander steht – siehe die Verhandlungen zum EU Covid19-Paket – dann kann man eine schnelle und effiziente Lösung zumindest anzweifeln.

Liest man die eingangs genannte Quelle der Kommission zur offiziellen Verschiebung bis zum Ende, stößt man auf die folgende Stelle.

Was bedeutet das?

Wenn die beiden EU-Musterschüler Deutschland und Niederlande Zweifel an einer stabilen und fristgerechten Lösung haben und eine Verschiebung auf den 1. Januar 2022 wünschen – frühestens! – dann könnte das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch – später – so kommen.

Fazit

Umsatzsteuer ist die mit Abstand Betrugs-anfälligste Steuerart und führt zu immer höheren Befolgungs- bzw. Compliance-Kosten aufseiten der Unternehmen.

Eine Reform ist daher zwingend erforderlich.

Gelingt den 27 EU-Staaten dazu der große Wurf?

Nein!

Selbst wenn es zu einer Umsetzung des VAT E-Commerce Package zum 1. Juli 2021 oder später kommen sollte, wird der OSS und alles, was damit verbunden ist, den meisten Unternehmen keine Erleichterung bringen – siehe hier.

Taxdoo ist die Compliance-Plattform für die digitale Ökonomie

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P.S.: Taxdoo ist seit Anfang 2020 nun auch offiziell Partner der DATEV im Onlinehandel.