Nachdem das Brexit-Referendum am 23. Juni 2016 weltweit für großes Aufsehen gesorgt hatte, hat Großbritannien mit Anfang 2020 formell die EU verlassen. In der aktuellen Übergangsperiode, die mit dem letzten Tag des Jahres 2020 endet, bleibt jedoch die Unsicherheit unter den Unternehmen und Institutionen bestehen, da es momentan keine Handelsabkommen mit anderen Ländern gibt und die Verhandlungen noch laufen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Beratungen in den letzten Monaten wegen der Coronavirus-Pandemie in den Hintergrund gedrängt wurden.

Jetzt, da das Ende des Jahres näher rückt, bereiten sich E-Commerce Händler und Logistikunternehmen auf die Zeit nach dem Brexit vor. Eine der größten Herausforderungen steht im Zusammenhang mit dem Logistik- und Fulfillment-Prozess, der einen Strategie-Wechsel vieler Unternehmen erfordert.

In diesem Blogbeitrag werden wir erklären, warum ihr als Online-Händler eure E-Commerce Fulfillment-Strategie anpassen solltet, um auch nach Ende der Übergangsperiode erfolgreich im Vereinigten Königreich verkaufen zu können.

Die Bedeutung des E-Commerce Marktes in Großbritannien für europäische Händler

Der E-Commerce Markt im Vereinigten Königreich ist ein wesentlicher Meilenstein für die Expansion schnell wachsender E-Commerce Händler. Der Grund dafür ist, dass das Land die höchste E-Commerce Penetrationsrate aufweist und den größten Online-Handel in Europa darstellt. Tatsächlich tätigten im Vereinigten Königreich im Jahr 2020 87% der Haushalte Einkäufe im Internet.

Darüber hinaus haben die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie den Trend zum Online-Handel noch weiter verstärkt. Dies führte dazu, dass der Anteil der Internetverkäufe im Vergleich zum gesamten Einzelhandel 32,8% betrug.

Aufgrund des hohen Potenzials unter den britischen Online-Käufern exportieren viele europäische Online-Händler ihre Waren nach Großbritannien. 11% aller Einkäufe britischer Käufer werden in anderen EU-Ländern getätigt, wobei Deutschland, Frankreich und die Niederlande die wichtigsten Länder sind.

Wie wird sich der Verkauf und Versand eurer Produkte nach Großbritannien ändern?

Im Moment ist es für euer E-Commerce Geschäft ganz einfach, nach Großbritannien zu liefern, da es keine komplexen Anforderungen gibt:

  • Keine Notwendigkeit für Zollformalitäten
  • Kein Nachweis des Warenursprungs
  • Keine Zollzahlungen für Waren aus Drittländern
  • Kein Zoll auf britische oder EU-Waren
  • Zollfreier Handel im Rahmen aller EU-Freihandelsabkommen

Leider wird sich das 2021 ändern, wenn die Übergangszeit endet und das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil der EU und des Binnenmarktes sein wird.

In Zukunft wird der Verkauf und die Lieferung von Waren an eure britischen Kunden Herausforderungen mit sich bringen. Der genaue Rahmen wird vom Ergebnis der abschließenden Verhandlungen abhängen.

Wahrscheinlich werdet ihr jedoch die Anforderungen für den Versand in ein Drittland außerhalb der Europäischen Union erfüllen müssen. Als Folge dessen empfehlen die meisten Versanddienstleister, sich jetzt darauf mit den folgenden vier Schritten vorzubereiten:

1) Besorgt euch eine EORI-Nummer für den Export von Waren

Eine EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) wird Unternehmen zugeteilt, die Waren aus der Europäischen Union exportieren oder Waren in die Europäische Union importieren. Diese Identifikationsnummer ist für die Zollabwicklung erforderlich.

2) Klassifiziert eure Produkte mit Zolltarifnummern

Die achtstelligen Zolltarifnummern erfüllen den Zweck der Klassifizierung der Waren und werden in der Zollanmeldung angegeben. Auf diese Weise wissen die Zollbehörden, welche Produkte in der Sendung enthalten sind und welche Einfuhrzölle und Steuern bei der Einfuhr erhoben werden müssen.

Eine Liste der Zolltarifnummern für Produkte findet ihr hier.

3) Stellt sicher, dass ihr die folgenden Daten bereitstellt, die von den EU-Zollbehörden für Exporte und Importe verlangt werden

  • Name und Adresse des Absenders und Empfängers
  • Telefonnummer des Empfängers (achtet darauf, dass die Telefonnummer des Empfängers die Vorwahl +44 hat, sonst wird das Paket von den Zollbehörden abgelehnt) sowie E-Mail-Adresse des Absenders und des Empfängers
  • Warenbeschreibung
  • Wert der Waren
  • HS-Code für den Export (besteht aus acht Ziffern)
  • Ursprungsland
  • EORI-Nummer
  • Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (wenn der Empfänger ein Unternehmen ist und es sich um eine B2B-Sendung handelt, muss auch die UID-Nummer des Empfängers angegeben werden)
  • Incoterms: Zur Regelung der Zahlungsbedingungen für den Empfänger. Diese hängen vom Bestellwert ab.

4) Fügt den Sendungen folgende erforderliche Dokumente bei

  • Handelsrechnung: Diese ist erforderlich, wenn die Waren innerhalb der Sendung einen Handelswert haben.
  • Pro-Forma-Rechnung:  Muss beigelegt werden, wenn die Waren keinen Handelswert haben.

Wie sich die Änderungen im E-Commerce Fulfillment-Prozess auf eure Conversion-Rate auswirken

Die aus dem Brexit resultierenden Veränderungen im Logistikprozess können für euch als Einzelhändler schwerwiegende Folgen haben.

Es wird erwartet, dass sich die Lieferzeiten und Versandkosten deutlich verlängern bzw. erhöhen werden. Da dies wesentliche Faktoren für den Abbruch von Kaufprozessen sind, ist davon auszugehen, dass sich die neuen Regelungen negativ auf die Conversion-Rate der europäischen Online-Shops auswirken werden, die nach Großbritannien verkaufen.

Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass 61% der britischen Online-Shopper den Warenkorb ohne Kauf verlassen, wenn die Lieferkosten zu hoch sind, und in einer anderen Umfrage gaben 41% der Befragten an, dass sie ihren Online-Einkauf nicht fortsetzen, wenn die Lieferzeiten zu lang sind. Folglich bedeutet dies, dass ihr eure E-Commerce Fulfillment-Strategie ändern solltet, um in der Post-Brexit-Ära weiter erfolgreich zu sein.


Cross-Border Fulfillment für einen optimierten E-Commerce Versand

Als europäischer Webshop, der jeden Monat mehrere hundert Sendungen an britische Online-Käufer verkauft und seine bestehenden Kunden nicht verlieren möchte, könnt ihr eure internationale Logistik mit grenzüberschreitendem Fulfillment optimieren. Indem ihr eure Waren in einem lokalen Logistikzentrum in Großbritannien lagert, könnt ihr näher an euren Endkunden sein, um von reduzierten Versandkosten und kürzeren Lieferzeiten zu profitieren.

Ihr müsst zwar eure Produkte immer noch nach Großbritannien liefern, aber die frühzeitige Lieferung von Paletten in größeren Mengen ermöglicht reibungslose B2C-Fulfillment Prozesse und ist kostengünstiger. Ein Grund dafür ist unter anderem die verringerte Auslastung des Kunden-Supports, der sich nicht um Bestellungen kümmern muss, die im Zoll stecken geblieben sind.

Durch die Zusammenarbeit mit einem 3PL (Third Party Logistics Provider), könnt ihr eure Fixkosten auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau halten. Ein weiterer Vorteil eines Fulfillment-Lagers in Großbritannien besteht darin, dass ihr lokale Lieferoptionen anbieten könnt, die den Bedürfnissen eurer Kunden entsprechen, wodurch ihr die Conversion-Rate weiter verbessern könnt. In diesem Blogbeitrag könnt ihr mehr über die Top-Versanddienstleister in Großbritannien erfahren.

Fazit

Wenn ihr für ein in der EU ansässiges E-Commerce Unternehmen arbeitet und in das Vereinigte Königreich versendet, solltet ihr bereits jetzt Maßnahmen ergreifen, um mögliche negative Auswirkungen zu vermeiden, auch wenn das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen noch nicht ganz klar ist.

Der Verkauf an eure Kunden im Vereinigten Königreich wird definitiv komplizierter werden, als es jetzt der Fall ist, aber ein Überdenken eurer Lieferkette und Fulfillment-Strategie wird euch auch langfristig zum Erfolg verhelfen.

Wir werden euch auf dem Laufenden halten, sobald Großbritannien und die EU eine offizielle Vereinbarung gefunden haben. Stellt sicher, dass ihr byrd und Taxdoo folgt, um up-to-date zu bleiben!

Über den Autor:

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