Seit Anfang 2019 hat Amazon die Anreize zur Teilnahme am sogenannten Pan EU Programm nochmals erhöht.

In diesem Blogpost erklären wir die häufigsten Fehler und Risiken – insbesondere durch Amazons Umsatzsteuer-Services.

Hinweis vorab: Wenn ihr wissen wollt, warum ihr den drei As (Amazon, Avalara und Avask) eure Umsatzsteuer-Erklärungen besser nicht überlassen solltet – oder, warum klassische to-DATEV-Konverter für die Finanzbuchhaltung im Online-Handel nicht hinreichend sind, bucht über diesen Link ein persönliches Gespräch bei unseren Umsatzsteuer- und FiBu-Experten zu einem Termin eurer Wahl.

Wir geben auch Ausblick auf eine wichtige Gesetzesänderung ab 2020, welche das umsatzsteuerliche Risiko durch das Pan EU Programm drastisch erhöhen kann.

Amazon Pan EU

Hinter diesem Programm steckt eine hochtechnologische grenzüberschreitende Logistikstruktur, welche sich neben Deutschland auf sechs weitere EU-Staaten (GB, FR, ES, IT, PL und CZ) verteilt. Händler aller Größenklassen können sich so auf Knopfdruck einen Markt von vielen hundert Millionen Einwohnern erschließen.

Das (letzte) größte Hemmnis für viele Händler und deren Steuerberater ist die Umsatzsteuer.

In diesem Blogpost erklären wir euch, was ihr zwingend beachten solltet, wenn ihr an diesem Programm teilnehmen wollt, bzw. als Steuerberater Mandanten in diesem Segment betreut.

Wir schauen auch in das kommende Jahr, welches für Pan EU Händler eine grundlegende Gesetzesänderung mit sich bringt, die es in sich hat.

Probleme durch Amazons Umsatzsteuer-Services

Amazon versuchte schon immer, mehr Händler dazu zu bringen am Pan EU Programm teilzunehmen (Das Kalkül liegt auf der Hand: mehr Reichweite führt zu mehr Umsatz für die Händler –  führt zu mehr Provisionen für Amazon).

Die Teilnahme an diesem Programm führt aber erstmal dazu, dass man unmittelbar in sechs weiteren EU-Staaten steuerpflichtig wird.

Man muss laufend – entweder monatlich oder quartalsweise – Umsatzsteuer-Erklärungen in diesen Staaten abgeben (teilweise bis zu drei Erklärungen pro Monat und Staat) und dabei nationale rechtliche Besonderheiten beachten.

Um diese Hürde abzubauen, kauft Amazon Kontingente bei großen Steuerberatungsgesellschaften ein und bietet den Händler deren Services – zumindest im ersten Jahr – kostenlos an.

Durch den Wechsel zahlreicher Händler von den Amazon Umsatzsteuer-Services zu Taxdoo haben wir mittlerweile eine umfassenden Überblick zu den Problemen und Risiken der Umsatzsteuer-Services, für die wir im Folgenden ein Bewusstsein schaffen wollen.

Ihr findet daher eine Übersicht, in der sich viele Leser wiederfinden werden.

1. Rückwirkende Erklärungen bzw. Selbstanzeigen oft nicht möglich

Im Rahmen der Amazon Umsatzsteuer-Services ist bereits einiges automatisiert. Die dahinter stehenden Anbieter können häufig automatisiert einige Daten ihrer Kunden beziehen, auswerten und die entsprechenden Umsatzsteuer-Erklärungen in den Pan EU Staaten abgeben.

Wo liegt jetzt das Problem?

Die wenigsten Pan EU Händler starten das Pan EU Programm zu dem Stichtag, an dem sämtliche umsatzsteuerliche Registrierungen abgeschlossen sind – sondern häufig viele Wochen, Monate oder gar Jahre früher.

Im Rahmen der Amazon Umsatzsteuer-Services gibt es bei den meisten Dienstleistern für die rückwirkenden Meldungen – im rechtlichen Sinne müsste man über strafbefreiende Selbstanzeigen oder Offenlegungen sprechen – häufig keinen (automatisierten) Prozess, sodass viele Händler einfach mit den laufenden Erklärungen starten.

Wer würde aber z.B. in Deutschland auf die Idee kommen – der Einfachheit wegen – mit der Abgabe seiner Umsatzsteuer-Erklärungen im laufenden Monat zu beginnen und die Zeiträume davor zu ignorieren?

Doch selbst Händler, welche mit dem Beginn warten wollen, bis sie in allen Pan EU Staaten registriert sind, müssen teilweise Monate oder gar Jahre warten.

2. Umsatzsteuerliche Registrierungen ziehen sich über Jahre oder werden falsch durchgeführt

Häufig stellt man sich die Frage: Wollen die ausländischen Finanzbehörden meine Umsatzsteuer gar nicht?

Registrierungsprozesse stocken häufig ohne Angabe von Gründen oder brauchen manchmal viele Monate oder gar Jahre bis zum Abschluss.

Die Erklärung dafür ist in den meisten Fällen wie folgt.

Umsatzsteuer ist die mit Abstand betrugsanfälligste Steuerart. Jährlich entgehen den EU-Staaten in diesem Zusammenhang bis zu 60 Mrd. Euro.

Die meisten dieser Betrugsmodelle setzen regelmäßig eine steuerliche Registrierung voraus. Das ist der Grund, warum die meisten EU-Staaten umfangreiche Dokumente im Rahmen der Registrierung verlangen. In vielen EU-Staaten muss z.B. auch der Nachweis erbracht werden, dass tatsächlich steuerbare Leistungen, welche zu Steuer- und damit Registrierungspflichten führen, lokal erbracht werden.

Dafür müssen regelmäßig Belege über Warenverbringungen oder Verkäufe in diesen Staaten erzeugt und bei den Finanzbehörden vorgelegt werden. Hier scheinen die automatisierten Prozesse von Amazons Umsatzsteuer-Services aber vielfach aufzuhören.

Bei Neukunden sehen wir häufig die beiden folgenden Probleme im Rahmen der Registrierung.

2.1 Beantragung von Lieferschwellenverzichten wurde vergessen.

Warum die Beantragung von Lieferschwellenverzichten für Pan EU Händler mit Sitz in Deutschland z.B. in Polen relevant ist, könnt ihr in diesem Blogpost nachlesen.

Vielfach erhält der betroffene Händler auch keinerlei Rückmeldung, sodass seine Rechnungen in vielen Fällen fehlerbehaftet sein dürften, da der falsche Umsatzsteuersatz ausgewiesen wird.

Beispiel: Wer die folgende Antwort des Amazon Umsatzsteuer-Services auf die Frage eines Pan EU Händlers zum Status seiner Lieferschwellenverzichte nicht versteht, ist in guter Gesellschaft.
Antwort des Kunden-Supports eines großen Compliance-Dienstleisters auf die Frage, auf welche Lieferschwellenschwellen im Rahmen der Pan EU Registrierungen verzichtet wurde.
Problem: Händler hat keinen Überblick seiner (möglichen) Lieferschwellenverzichte, welche sein Dienstleister beantragt hat (oder nicht).
Risiko: Doppelbesteuerung grenzüberschreitender Umsätze

2.2 Flat Rate Scheme in Großbritannien

Aktuell sehen wir vermehrt das Phänomen, dass Händler durch Amazons Umsatzsteuer-Services in Großbritannien (GB) unter dem sogenannten Flat Rate Scheme registriert werden. Das hat den vermeintlichen Vorteil, dass diese Händler – soweit sie unter gewissen Schwellenwerten bleiben – pauschal 6,5 Prozent auf ihre in GB steuerbaren Transaktionen abführen müssen – anstelle des regulären Steuersatzes von 20 Prozent.

Klingt das zu schön, um wahr zu sein?

Ja!

Dieses Verfahren macht im grenzüberschreitenden Online-Handel nur in sehr seltenen Fällen Sinn. Warum?

Zum einen entfällt der Vorsteuerabzug und der pauschale Umsatzsteuersatz muss auf alle Transaktionen abgeführt werden – also auch auf viele steuerfreie Lieferungen.

Zum anderen ist das Flat Rate Scheme dazu gedacht, kleine (lokale) Unternehmen in Großbritannien von den Kosten der Umsatzsteuer-Compliance zu entlasten. Gemäß EU-Recht darf die Anwendung aber nicht zu einer Steuerermäßigung führen (Art. 281 der MwStSystRL). Das wäre aber z.B. die Folge bei deutschen Händlern. Diese könnten ihre Umsätze in GB pauschal mit 6,5 Prozent versteuern, in Deutschland jedoch den vollen Vorsteuerabzug auf alle Eingangsleistungen erzielen.

Das widerspricht dem Ziel dieser Regelung bzw. der EU-weit gültigen Regelung des Art. 281 der MwStSystRL.

Problem: Falsche Anwendung (nationaler) Gesetze
Risiko: Nachversteuerung, Strafzuschläge, Marktplatzsperrungen, ...

Nicht nur die Registrierungen, auch die laufenden Umsatzsteuer-Erklärungen bergen Risiken, wie der folgende Abschnitt zeigt.

3. Umfangreiche (digitale) Steuerpflichten

Zunehmend mehr EU-Staaten gehen dazu über, Umsatzsteuer-Erklärungen auf Basis einzelner Transaktionen zu verlangen. In Polen – Hauptumschlagplatz des Amazon Pan EU Logistik-Netzwerkes – ist das beispielsweise für alle dort registrierten Unternehmen verpflichtend.

Seit dem 01.01.2018 muss zusätzlich zur monatlichen Umsatzsteuer-Erklärung und der Zusammenfassenden Meldung ein sogenanntes Standard Audit File for Tax (SAF-T) abgeben werden.

Das SAF-T kann nur elektronisch als xml-Datei übermittelt werden.

Im Gegensatz zur klassischen Umsatzsteuer-Erklärung, in welcher Daten immer hoch verdichtet sind, verlangt das SAF-T-Format die Meldung auf der Basis einzelner Transaktionen—inklusive zahlreicher Zusatzinformationen wie z.B. den Empfängerdaten.

Die Nichtabgabe dieser Meldungen führt häufig zu drastischen Sanktionen, wie dieser Blogpost zeigt.

Problem: Unzureichende Erfüllung von Steuerpflichten
Risiko: Strafzuschläge, Sperrung von Steuernummern, ...

Aber auch die Zukunft – insbesondere das kommende Jahr – bringen weitere Herausforderungen mit sich.

Gesetzesänderungen ab 2020: Quick Fixes

Innergemeinschaftliche Verbringungen stehen seit einiger Zeit im Fokus der Finanzbehörden – siehe hier.

Die umsatzsteuerliche Systematik von grenzüberschreitenden Verbringungen euer Waren in ausländische Amazon-Lager ist in diesem Blogpost erklärt.

Die Komplexität und die Risiken werden ab dem nächsten Jahr noch zunehmen.

Ab dem 01.01.2020 greifen die sogenannten Quick Fixes. Diese größte Reform des EU-weiten Umsatzsteuerrechts seit über 25 Jahren hat insbesondere Auswirkungen auf Online-Händler, welche ausländische Warenlager von Amazon verwenden – z.B. im Rahmen von Pan EU oder CEE.

Bis zum Ende dieses Jahres sind die Verbringungen in und zwischen den ausländischen Warenlagern grds. immer steuerfrei.

Bis Ende 2019 bleiben grenzüberschreitende Warenverbringungen in der EU grds. immer steuerfrei.

Ab dem 01.01.2020 liegen steuerfreie innergemeinschaftliche Verbringungen nicht mehr vor, wenn z.B. eine steuerliche Registrierung im Bestimmungsland nicht gegeben ist.

Fehlende steuerliche Registrierungen führen ab 2020 zur Steuerpflicht von grenzüberschreitenden Verbringungen in der EU.
Hinweis: Wir werden in Kürze einen umfassenden Blogpost zu den Quick Fixes veröffentlichen.

Das bedeutet: Nehmen Online-Händler am Amazon Pan EU Programm teil, ohne in allen sechs Staaten steuerlich registriert zu sein, müssen sie ihre Warenverbringungen versteuern und haben KEINEN Vorsteuerabzug daraus.

Problem: Fehlende Registrierungen und/oder die fehlende Abgabe von Umsatzsteuer-Erklärungen in allen oder einigen Pan EU Staaten
Risiko: Definitivbelastung durch Umsatzsteuer auf innergemeinschaftliche Verbringungen

Da es sich bei den Verbringungen um umsatzsteuerlich fingierte Umsätze handelt – niemand zahlt euch die Umsatzsteuer auf Verbringungen – dürfte eine derartige Belastung durch Umsatzsteuer für die wenigsten Händler zu verkraften sein.

Amazon Pan EU: Einfach erklärt durch Dr. Moritz Lukas von Taxdoo

Wer vieles von dem, was wir in diesem Blogpost niedergeschrieben haben, kurz und knapp hören und sehen will, kann sich das folgende Interview mit meinem Kollegen Dr. Moritz Lukas anschauen.

Dr. Moritz Lukas (Taxdoo GmbH) erklärt die größten Stolpersteine für Pan EU Händler

Fazit: Viele Probleme aber auch Lösungen

Eines wird hoffentlich deutlich. Umsatzsteuer-Compliance sollte insbesondere bei grenzüberschreitend tätigen Online-Händlern ein Kernprozess im Unternehmen sein.

Amazons Mentalität, Produkte und Dienstleistungen so früh wie möglich – als sogenannte Minimum Viable Products (MVPs) – auszurollen, hat in vielen Bereichen eine Daseinsberechtigung und gehört zur DNA dieses Konzerns. Im Bereich der Umsatzsteuer-Compliance ist das jedoch vollkommen deplatziert, da das Risiko asymmetrisch verteilt ist. Am Ende haftet nämlich ausschließlich der Händler.

Eine Investition in automatisierte und transparente Compliance-Prozesse ist daher etwas, was sich nachhaltig für jeden Händler und Steuerberater auszahlen wird. Die Finanzbehörden fangen gerade erst an, die ersten Unternehmen im Online-Handel zu prüfen. Dabei werden mittlerweile nicht mehr nur einzelne Sachverhalte geprüft – es stehen vielmehr die entsprechenden Prozesse dahinter im Fokus.

Taxdoo: Automatisierte Umsatzsteuer-Compliance und Finanzbuchhaltung im Online-Handel

Taxdoo bezieht automatisiert Daten aus Amazon, eBay und den gängigsten ERP- (z.B. Afterbuy, Billbee, plentymarkets JTL oder Xentral) und Shop-Systemen (z.B. Shopify), bereitet sie umsatzsteuerlich auf, überführt sie in die Finanzbuchhaltung und kann sie auch im Ausland melden.

Die automatisierten Meldungen im EU-Ausland sind neben einem Grundpreis für die Datenaufbereitung 79 Euro pro Monat und pro Staat möglich.

Grenzüberschreitende Warenverbringungen im Rahmen des Pan EU Programms werden umfassend automatisiert. Die Erstellung der revisionssicheren Belege dafür, welche die Finanzverwaltung fordert, ist über Taxdoo ebenfalls möglich.

Klickt einfach hier oder auf den Button unten und bucht eine Live-Demo, in der wir euch und/oder eurem Steuerberater per Bildschirmübertragung persönlich die Vorteile unserer automatisierten Umsatzsteuer-Compliance erklären.

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