Update: Steuerpflicht für Onlinehändler in der Schweiz ab 2019?

Onlinehändler, welche auch in die Schweiz liefern, könnten aufgrund einer Gesetzesänderung ab dem 01.01.2019 in der Schweiz steuerpflichtig werden.

Wir erklären, wen es betrifft und was es zu beachten gilt.

Update: Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat unsere Bitte um weitere Klarstellungen erfüllt. Die Antworten, welche uns am 23.03.18 nach unserer direkten Anfrage per Mail zugegangen sind, befinden sich neu eingefügt und gelb markiert in diesem Blogpost.

Lieferungen in die Schweiz—Status Quo

Liefert ihr derzeit eure Produkte in die Schweiz, handelt es sich dabei um sogenannte steuerfreie Ausfuhrlieferungen—egal, ob ihr an Endverbraucher oder Unternehmen in der Schweiz verkauft.

Für Lieferungen in die Schweiz fällt aber dennoch eine Steuer an—die sogenannte Einfuhrumsatzsteuer. Dabei handelt es sich um eine Umsatzsteuer, die entsteht, wenn Waren aus dem Ausland in die Schweiz eingeführt werden.

Bislang habt ihr bei euren Lieferungen in die Schweiz nicht viel davon mitbekommen, da der Logistiker die gesamte Abwicklung oftmals übernimmt.

Die Schweiz hat zudem bislang bei Sendungen mit einem Steuerbetrag von 5 Franken (CHF) oder weniger auf die Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer verzichtet.
Ein Steuerbetrag von 5 CHF entspricht einem Warenwert (inkl. Versandkosten) von ca. 65 CHF bei dem Schweizer Standardsteuersatz von 7,7%, bzw. 200 CHF bei dem ermäßigten Schweizer Steuersatz von 2,5% (z.B. für Bücher, Zeitschriften, Lebensmittel). Diese Lieferungen werden in der Schweiz als sogenannte Kleinsendungen bezeichnet.

Quelle: Entwurf Praxisanpassungen revMWSTG, Eidgenössische Steuerverwaltung vom 19.12.2017, Seite 2/6

Das verschafft ausländischen Onlinehändlern bislang einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Schweizer Unternehmen.

Aus diesem Grund kommt es zum 01.01.2019 zur folgenden Gesetzesänderung in der Schweiz.

Lieferungen in die Schweiz ab 2019

Auch ab dem 01.01.2019 wird für Kleinsendungen weiterhin keine Einfuhrumsatzsteuer anfallen.

Es wird sich jedoch der Ort dieser Lieferungen verlagern—in die Schweiz. Die Rechtsfolge ist dann, dass für diese Lieferungen Schweizer Umsatzsteuer anfällt (in der Regel 7,7% oder 2,5%).

Das gilt allerdings nur, wenn eure Kleinsendungen die Grenze von 100.000 CHF (netto) pro Kalenderjahr überschreiten. Das entspricht aktuell ca. 86.750 Euro. Ist das der Fall, verlagert sich auch der Ort für alle Nicht-Kleinsendungen (Warenwert größer 65 CHF bzw. 200 CHF) in die Schweiz. Es sind dann alle Lieferungen in die Schweiz auch in der Schweiz steuerpflichtig.

Quelle: Entwurf Praxisanpassungen revMWSTG, Eidgenössische Steuerverwaltung vom 19.12.2017, Seite 3/6

Ihr dürft in dem Fall keine Netto-Rechnungen mehr erstellen, sondern müsst die Schweizer Umsatzsteuer ausweisen (7,7% bzw. 2,5%).

Der Mechanismus ist vergleichbar mit dem Konzept der Lieferschwelle, das für alle EU-Staaten gilt.

Aber nur vergleichbar—nicht identisch!

Wie genau funktioniert die Lieferschwelle Schweiz?

Erreichen eure Kleinsendungen in die Schweiz pro Kalenderjahr den Wert von 100.000 CHF (netto), seid ihr in der Schweiz steuerpflichtig.

Wichtig! Das Schweizer Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) regelt, dass ihr euch bereits zum 01.01.2019 in der Schweiz steuerlich registriert haben müsst, wenn ihr die Grenze von 100.000 CHF schon in 2018 übertreffen werdet (Art. 113 Abs. 1 MWSTG).

Dieser Mechanismus entspricht damit auf den ersten Blick dem der EU-Lieferschwellen. Überschreitet man einmal eine Lieferschwelle, muss man im Folgejahr alle Lieferungen in das jeweilige Bestimmungsland auch dort versteuern.

Allerdings lässt der aktuelle Gesetzesentwurf viele Fragen offen.

Noch einige offene Fragen—und Update

Leider hat die Eidgenössische Steuerverwaltung scheinbar nicht in Gänze den in der EU gültigen Lieferschwellen-Mechanismus übernommen.

Das Gesetz spricht lediglich von einer Steuerpflicht bei einem jährlichen Umsatz von mindestens 100.000 CHF durch Kleinsendungen—siehe Auszug aus Art. 7 Abs. 3 Buchstabe b MWSTG.

Was bedeutet das für einen Händler, der in 2018 zwar die Grenze gerissen hat, aber in 2019 voraussichtlich wieder unterschreiten wird?

In den aktuellen Klarstellungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung heißt es dazu nur:

Quelle: https://www.estv.admin.ch/estv/de/home/mehrwertsteuer/fachinformationen/revmwstg/regelung-fuer-den-versandhandel.html

Es ist nicht eindeutig geklärt, ob in diesem Beispiel bereits nur eine einzige Kleinlieferung in 2019 zu einer Steuerpflicht in der Schweiz führen wird, wie es derzeit die herrschende Meinung ist—oder, ob auch in 2019 die Grenze von 100.000 CHF voraussichtlich wieder überschritten werden muss.

Update: Mit E-Mail vom 23.03.2018 hat uns die Eidgenössische Steuerverwaltung mitgeteilt, dass die Steuerpflicht 2019 praktisch nur davon abhängt, ob die Schwelle 2018 überschritten wurde.

Würde man 2019 selbst nur eine Kleinsendung in die Schweiz tätigen, müsste diese in der Schweiz versteuert werden.

Hier findet ihr den entsprechenden Auszug aus der E-Mail der Eidgenössischen Steuerverwaltung:

Risikobegrenzung

Ähnliche Probleme in der Auslegung der Gesetzeslage gab es in den frühen Jahren der Versandhandelsregelung (Lieferschwelle) in der EU. Auch dort mussten Versandhändler anfangs mit Prognosen arbeiten, was naturgemäß viele Unsicherheiten mit sich bringt.

Auch aus diesem Grund bietet das Schweizer MWSTG die Option an, auf die Anwendung der 100.000 CHF-Grenze zu verzichten. In diesem Fall ist dann umgehend jede Lieferung in die Schweiz auch dort zu versteuern.

Folgen der Steuerpflicht in der Schweiz

Für den Fall, dass ihr in der Schweiz steuerpflichtig seid, sind die folgenden Punkte zu beachten.

  • Steuerliche Registrierung (Eintragung in das Schweizer MWST-Register)
  • Die Bestellung eines Fiskalvertreters (obligatorisch)
  • Das Erbringen einer Bankbürgschaft (Sicherheitsleistung) in der Schweiz
  • Die regelmäßige Abgabe von Mehrwertsteuer-Erklärungen (grds. quartalsweise).

Lösung

Taxdoo wird in Kürze eine automatisierte Überwachung der Steuerpflicht für die Schweiz anbieten.

Dabei werden automatisiert Rohdaten aus Marktplätzen (Amazon und eBay) sowie ERP-Systemen (z.B. Plentymarkets und JTL) ausgelesen, tagesaktuell nach umsatzsteuerlichen Kriterien überwacht und ausgewertet. Zusätzlich können diese Daten dann mittels FiBu-Schnittstelle in die Buchhaltung überführt werden.

Update: Auf Basis der Klarstellungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung werden wir im Laufe des Jahres 2018 diejenigen Taxdoo-Kunden informieren, welche die Schwelle 2018 voraussichtlich überschreiten werden. Somit bleibt genügend Zeit, alle erforderlichen Vorbereitungen für 2019 zu treffen.

Klickt einfach hier oder unten auf die Grafik und bucht eine Live-Demo, in der wir euch und/oder eurem Steuerberater persönlich die Vorteile unserer automatisierten Umsatzsteuer-Compliance erklären.

Fazit

Wenn auch nicht der Großteil, so dürften doch zahlreiche Onlinehändler ab 2019 in der Schweiz steuerpflichtig werden.

Update: Wir danken der Eidgenössischen Steuerverwaltung für ihre Klarstellung vom 23.03.18. Auf dieser Grundlage können Onlinehändler nun einen sicheren Compliance-Prozess aufsetzen.

Dank an Hiltpold VAT Support

Wir danken Frau Esther Hiltpold von HILTPOLD VAT SUPPORT, welche uns bei der Erstellung dieses Blogposts fachlich unterstützt hat.

Frau Hiltpold steht als Expertin für das Schweizer MWST-Recht sowie in ihrer Funktion als Schweizer Fiskalvertreterin gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

Dieser Beitrag stellt keine steuerliche Beratung dar und soll nur allgemein über steuerliche Themen informieren. Wir übernehmen daher keine Gewähr und somit keine Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte und Darstellungen.