Steuerpflicht für Amazon-Händler in der Slowakei?

Seit einigen Wochen wird unter Steuerberatern und Onlinehändlern diskutiert, ob das neue Lager von Amazon in der Slowakei eine Steuer- und damit einhergehende Registrierungspflicht in diesem EU-Staat für zahlreiche Marketplace-Händler ausgelöst hat.

Aber der Reihe nach.

Fulfillment by Amazon

Nutzt ihr die Logistikstruktur von Amazon, das sogenannte Fulfillment by Amazon (FBA), so werdet ihr sehr wahrscheinlich regelmäßig von Amazon-Mitarbeitern kontaktiert.

Diese rechnen anhand eurer Transaktionsanzahl vor, wieviel Geld ihr sparen könnt, wenn ihr es nur zulasst, dass Amazon eure Produkte auch in den Fulfillment-Centern in Polen und Tschechien lagern darf.

Dahinter steht das sogenannte Central Eastern Europe (CEE) Programm von Amazon, welches u.a. die Lagerkapazitäten von Amazon in Deutschland entlasten soll.

Wenn ihr auf dieses Angebot eingeht, erlässt euch Amazon u.a. 50 Cent pro Bestellung im Vergleich zu FBA-Händlern, die ihre Produkte nur in Deutschland lagern.

Ihr müsst euch dann aber auch in diesen Staaten steuerlich registrieren und Umsatzsteuererklärungen abgeben.

Registrierungspflicht jetzt auch noch in der Slowakei?

Wir können anhand unserer Auswertungen sehen, dass Amazon u.a. im Rahmen des CEE-Programms seit September 2017 auch ein Warenlager in der Slowakei verwendet.

Nun wird darüber diskutiert, ob im Rahmen des CEE-Programms neben der Steuerpflicht in Polen und Tschechien auch die Slowakei als dritter Staat, in dem ihr euch steuerlich registrieren müsst, hinzukommt.

Die Antwort ist: (derzeit noch) Nein!

Warum?

Was kann eine Steuerpflicht im EU-Ausland auslösen?

Im Rahmen von FBA kommen grundsätzlich zwei Ereignisse in Frage, welche eine Steuerpflicht in der Slowakei auslösen können.

  • Ihr verkauft eure Produkte in die Slowakei und überschreitet dabei die Lieferschwelle der Slowakei. Das dürfte für viele unter euch derzeit nicht zutreffen.

Oder

  • Eure Produkte werden im Rahmen der Warenumlagerungen von Amazon nicht nur vorübergehend in die Slowakei verbracht.

Was bedeutet der letzte Punkt?

Das Mehrwertsteuerrecht sieht vor, dass ihr auch die Umlagerung eurer Produkte (durch Amazon) von einem EU-Staat (z.B. Deutschland) in einen anderen EU-Staat (z.B. Polen oder Tschechien) steuerlich erfassen und melden müsst.

Die Systematik ist dabei wie folgt.

In dem Staat, in dem die Umlagerung in das EU-Ausland beginnt (z.B. in Deutschland), führt das zu einer sogenannten innergemeinschaftlichen Verbringung.

EU-weit wird eine solche Verbringung qua Gesetz einer Lieferung gegen Entgelt gleichgestellt (siehe Artikel 17 MwStSystRl oder § 3 Abs. 1a UStG).

Im Bestimmungsland (z.B. Polen oder Tschechien) führt diese Verbringung dann zu einem sogenannten steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb.

Diesen Erwerb müsst ihr grds. mit dem Steuersatz des Bestimmungslandes versteuern. Ihr habt aber in der Regel gleichzeitig einen Vorsteuerabzug in derselben Höhe.

Dieser Erwerb ist ein steuerpflichtiger Vorgang, welcher eine entsprechende Registrierungspflicht in dem jeweiligen EU-Staat auslösen kann.

Eine ausführliche Beschreibung dieser zugegebenermaßen komplexen Systematik findet ihr in unserem Leitfaden Verbringungen.

Eine innergemeinschaftliche Verbringung—und damit auch ein korrespondierender innergemeinschaftlicher Erwerb—kann allerdings laut Gesetz nur dann vorliegen, wenn die Ware nicht nur vorübergehend in das EU-Ausland verbracht wird.

Das ist z.B. immer dann der Fall, wenn die Ware

  • in diesem EU-Staat oder
  • aus diesem EU-Staat heraus verkauft wird.

In diesen Fällen kann sie nicht mehr zurückgebracht werden und wurde daher nicht nur vorübergehend ins Ausland verbracht.

Nur vorübergehend in die Slowakei?

Derzeit dient das Lager in der Slowakei lediglich der Bearbeitung von Retouren. Das bedeutet, eure Waren verbleiben nur wenige Tage zur Wiederaufbereitung in der Slowakei und werden anschließend zurückgeführt.

Wir können auch anhand unserer Daten sehen, dass derzeit noch kein einziges Produkt aus der Slowakei heraus verkauft worden ist.

Das bedeutet: Solange Amazon eure Produkte aus dem Warenlager in der Slowakei nicht an Kunden ausliefert, wird dort keine Steuerpflicht begründet.

Überwachen könnt ihr oder euer Steuerberater das mittlerweile ganz einfach und automatisiert.

Taxdoo überwacht Steuerpflichten im gesamten EU-Ausland

Taxdoo kann automatisiert Rohdaten aus Marktplätzen und ERP-Systemen (z.B. Plentymarkets und JTL) auslesen und z.B. einen Buchhaltungsexport erstellen.

In eurem Taxdoo-Dashboard, welches sowohl ihr als auch euer Steuerberater nutzen kann, seht ihr zudem (fast) in Echtzeit, wo Steuerpflichten bestehen oder drohen.

Sollte Amazon eines eurer Produkte aus dem Warenlager in der Slowakei heraus an Käufer versenden, würde unmittelbar eine entsprechende Steuerpflicht für diesen Staat angezeigt.

Klickt einfach hier unten auf den Ausschnitt unseres Dashboards und bucht darüber eine Live-Demo, in der wir euch und/oder eurem Steuerberater persönlich die Vorteile einer automatisierten Umsatzsteuer-Compliance erklären.

Dieser Beitrag stellt keine steuerliche Beratung dar und soll nur allgemein über steuerliche Themen informieren. Wir übernehmen daher keine Gewähr und somit keine Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte und Darstellungen.