Amazon FBA und Umsatzsteuer

Fulfillment by Amazon (FBA) ist ein Service, um den viele Händler auf Amazon Marketplace nicht mehr herumkommen. Hinter FBA steht die Übernahme der gesamten Logistik inkl. der Bearbeitung von Retouren durch Amazon. Das ist komfortabel, birgt aber auch große finanzielle Risiken. Eine der größten Herausforderungen, die FBA mit sich bringt, ist die sogenannte Umsatzsteuer-Compliance. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Erfüllung aller Pflichten, die das Umsatzsteuerrecht für euch als Händler mit sich bringt.

Umsatzsteuer-Compliance in Deutschland

Diese Pflichten beginnen damit, dass ihr euch noch vor dem Beginn eurer unternehmerischen Tätigkeit bei eurem Finanzamt steuerlich registrieren müsst. Anschließend informiert ihr das Finanzamt regelmäßig über eure Eingangs- und Ausgangsumsätze und könnt euch dabei die Umsatzsteuer aus Eingangsrechnungen erstatten lassen (Vorsteuerabzug). Gleichzeitig müsst ihr die Umsatzsteuer aus euren Verkäufen erklären und abführen. Beides erfolgt über die sogenannten Umsatzsteuer-Voranmeldungen, welche ihr entweder monatlich oder quartalsweise z.B. über Elster elektronisch einreichen könnt.

Diese Prozedur sollte den bereits aktiven Händlern unter euch bestens vertraut sein. Nutzt ihr FBA, werden die beschriebenen Pflichten sehr wahrscheinlich auch im Ausland auf euch zukommen. Warum?

Die niedrigsten Gebühren für das FBA-Programm bietet euch Amazon nur an, wenn eure Produkte über ausländische Warenlager abgewickelt werden—derzeit vor allem in Polen und Tschechien. Diese grenzüberschreitende Lagernutzung stellt viele Händler derzeit vor große Probleme.

Grenzüberschreitende Lagernutzung und Umsatzsteuer

Sobald ihr auch nur ein einziges Produkt in ein ausländisches Warenlager versendet, müsst ihr euch in dem entsprechenden Land steuerlich registrieren und Umsatzsteuer-Voranmeldungen (USt-VA) sowie oftmals noch weitere Berichte regelmäßig einreichen. Dies gilt ab dem ersten Produkt—selbst dann, wenn dieses nur wenige Cent wert ist.

Aus umsatzsteuerlicher Sicht tätigt ihr mit der Übersendung euer Produkte in das Warenlager eine sogenannte innergemeinschaftliche Verbringung. Ihr verbringt Ware von einem EU-Land (z.B. Deutschland) in ein anderes (z.B. Polen). Da in der Europäischen Union (EU) alle Warenströme erfasst und dokumentiert werden müssen, um insbesondere die Hinterziehung von Umsatzsteuern zu verhindern, gibt es zahlreiche Regelungen.

Umsatzsteuer-Compliance mit Amazon FBA

Wann immer ein Händler einen Artikel dauerhaft in ein anderes EU-Land verbringt—bzw. es durch Amazon verbringen lässt—liegt dabei eine Lieferung des Händlers an sich selbst vor. Diese Lieferung ist steuerfrei. Der Händler muss diese Lieferung aber in seiner Umsatzsteuer-Voranmeldung sowie einer speziellen Erklärung, der sogenannten Zusammenfassenden Meldung (ZM), in seinem Heimatland (z.B. Deutschland) erklären. Er ist zudem verpflichtet, eine Rechnung über diese Verbringung auszustellen. Da er diese Rechnung an sich selbst stellt und keine "tatsächliche" Transaktion mit Dritten stattfindet, heißt sie Pro-Forma-Rechnung.

Zusätzlich muss der Händler im Land des Warenlagers (z.B. Polen) den Eingang der Ware als sogenannten innergemeinschaftlichen Erwerb in seiner polnischen Umsatzsteuer-Voranmeldung erklären. Dieser Erwerb ist grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Der Händler kann sich aber zeitgleich die Umsatzsteuer aus diesem Erwerb erstatten lassen (Vorsteuerabzug). Dieses Prozedere führt zu einem Saldo von Umsatzsteuer und Vorsteuer in Höhe von Null—eine tatsächliche Zahlung ist also nicht notwendig. Die Finanzverwaltung in Polen weiß durch dieses Verfahren jedoch, dass der Händler Waren nach Polen verbracht hat, um diese von dort aus zu verkaufen.

Überschreiten eure Verbringungen bestimmte Wertgrenzen, müsst ihr zusätzlich und regelmäßig sogenannte Intrahandels-Statistiken (Intrastat) beim Statistischen Bundesamt einreichen. Darin sind dann nochmals—für statistische Zwecke—eure Warenbewegungen innerhalb der EU verzeichnet. Diese Pflicht greift auch in den meisten anderen EU-Staaten. Eine FAQ-Sammlung bietet das Statistische Bundesamt auf dieser Seite.

Die folgende Infografik fasst alle Compliance-Pflichten mit Amazon FBA nochmals kompakt zusammen (Klick zum Vergrößern).

Prüfung durch Finanzämter

Aber fällt es überhaupt auf, wenn man seine Amazon-Umsätze einfach (weiterhin) komplett in Deutschland versteuert? Selbst das Unterlassen der Registrierung ist in mittlerweile allen Mitgliedstaaten der EU kein Kavaliersdelikt mehr. Die meisten Staaten fordern in diesen Fällen hohe Strafzahlungen und Verzugszinsen nach, welche oftmals alleine den Betrag der ursprünglich geschuldeten Umsatzsteuer übersteigen können.

Darüber hinaus steigt das Entdeckungspotential zunehmend. Die folgenden Beispiele zeigen, wie kreativ die Finanzverwaltungen dabei vorgehen:

  • Die deutsche Finanzverwaltung verwendet einen Internet-Crawler namens Xpider, mit dem sie gezielt nach Händlern sucht, die ihre Umsatzsteuer nicht ordnungsgemäß abführen.
  • Das höchste deutsche Finanzgericht, der Bundesfinanzhof, hat bereits im Jahr 2013 entschieden, dass Finanzämter auch Sammelauskünfte bei Marktplätzen wie Amazon oder eBay einholen dürfen. In dem zu entscheidenen Fall hatte das Finanzamt um eine Liste aller Händler gebeten, die mehr als 17.500 Euro / Kalenderjahr umsetzen und damit verpflichtet sind, Umsatzsteuer abzuführen.
  • In Österreich ist sogar gesetzlich geregelt (§ 27 Abs. 6a öUStG), dass Finanzämter Auskünfte bei Paketdienstleistern einholen dürfen, um zu filtern, welche ausländischen Händler Waren nach Österreich versenden und damit vermutlich die Lieferschwelle überschreiten.
  • Die dänischen Finanzämter werten zu diesem Zweck Kreditkartenumsätze aus.

Haben die Finanzämter erst einmal entdeckt, dass die Umsatzsteuer nicht ordnungsgemäß abgeführt wurde, wird oft ein Steuerstrafverfahren eröffnet. Eine strafbefreiende Selbstanzeige ist dann nicht mehr möglich. Auch könnt ihr nicht darauf verweisen, dass ihr das ausländische Umsatzsteuerrecht nicht kennen konntet. Als Unternehmer seid ihr immer verpflichtet, euch vorab über eure steuerlichen Pflichten zu informieren.

Lasst es nicht so weit kommen! Fast alle eure Umsatzsteuer-Pflichten könnt ihr einfach und nachhaltig automatisieren.

Automatisierte Umsatzsteuer-Compliance

Umsatzsteuer-Compliance ist für Händler entweder aufwändig (wenn man selbst den Überblick behalten will) oder teuer (wenn alle Tätigkeiten manuell vom Steuerberater übernommen werden).

Taxdoo hilft euch, die Umsatzsteuer-Abrechnungen zu automatisieren. Eure Umsatzdaten werden automatisch über Schnittstellen gesammelt, umsatzsteuerlich ausgewertet und für die Einreichung vorbereitet.

Taxdoo automatisiert die erforderlichen umsatzsteuerlichen Prozesse im Rahmen von Amazon FBA.

In unserem Dashboard könnt ihr oder euer Steuerberater jederzeit einsehen, zu wieviel Prozent ihr bestimmte Lieferschwellen erreicht habt. Ein automatisches Warnsystem verhindert, dass ihr Registrierungspflichten und sonstige umsatzsteuerliche Pflichten versäumt. Ihr seht die Verwendung ausländischer FBA-Lager und könnt eure Amazon-Erlöse einfach in eure Buchhaltung überführen.

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Dieser Beitrag stellt keine steuerliche Beratung dar und soll nur allgemein über steuerliche Themen informieren. Wir übernehmen daher keine Gewähr und somit keine Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte und Darstellungen.